Inverse Transparenz: Beteiligungsorientierte Ansätze für Datensouveränität in der digitalen Arbeitswelt gestalten

In der digitalen Arbeitswelt wird Arbeit in neuer Qualität transparent. Immer mehr Daten fallen im Arbeitsprozess an, die auf unterschiedliche Weise dokumentieren und sichtbar machen, wie und woran wir arbeiten. Mit dem Aufstieg der Cloud gewinnt diese Entwicklung eine besondere Brisanz. Parallel zur Wertschöpfung entstehen nun gigantische Datenmengen geradezu zwangsläufig – nicht selten unbemerkt und hinter dem Rücken der Akteure. Die neue Transparenz eröffnet für Unternehmen und Wirtschaft auf der einen Seite völlig neue Möglichkeiten, Geschäftsmodelle zu entwickeln und Arbeitsprozesse neu zu gestalten. Auf der anderen Seite entsteht damit jedoch auch das Potential für eine umfassende Kontrolle und Überwachung von Beschäftigten und ihrer Arbeit.

 

Transparenz als Schlüsselfrage einer digitalen Arbeitswelt

Wie wir mit dieser neuen Transparenz umgehen, ist eine Schlüsselfrage für eine nachhaltige Gestaltung der neuen digitalen Arbeitswelt. Gefragt ist ein Datenschutz, der die Beschäftigten beteiligt, handlungsfähig macht und informationelle Selbstbestimmung auch im Betrieb ermöglicht. Wir entwickeln und erproben dazu einen zukunftsweisenden Ansatz – “Inverse Transparenz”. Seine Grundidee: Die Datenverwendung selbst transparent zu gestalten und die Menschen konsequent darüber zu informieren, welche Daten über sie anfallen und was mit diesen geschieht. Mit diesem Ansatz zielen wir auf ein echtes Empowerment der Beschäftigten und wollen sie zu einem souveränen Umgang mit den eigenen Daten befähigen.

„Inverse Transparenz” setzt auf drei zentrale Prinzipien:

  • „Watch the Watcher“: Die Verwendung von Daten für die Beschäftigten sichtbar machen.
  • Beteiligung: Beschäftigte zu Akteuren eines beteiligungsorientierten Datenschutzes machen.
  • Empowerment: Beschäftigte zur aktiven Nutzung von Daten befähigen, um eigenständig Arbeitsprozesse und Organisationsstrukturen zu verbessern.

Empowerment der Beschäftigten als Ziel

Das Verbundprojekt erprobt diesen zukunftsweisenden Ansatz im realen Arbeitsalltag. Dazu bauen wir mit der Software AG ein Betriebliches Praxislaboratorium auf. Gemeinsam mit Beschäftigten, Führungskräften und Betriebsräten wollen wir lernen, wie ein beteiligungsorientierter Datenschutz erfolgreich in der Praxis umgesetzt werden kann. Wie können wir „inverse Transparenz“ technisch realisieren? Wie müssen Unternehmen ihre Organisation gestalten, damit Beschäftigte handlungsfähig werden im Umgang mit Daten? Wie können wir „inverse Transparenz“ in modernen Führungs- und Managementkonzepten verankern? Wie sehen die rechtlichen Rahmenbedingungen mit Blick auf die Mitbestimmung aus? Um diese Fragen zu beantworten, setzt der Projektverbund auf Interdisziplinarität und eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis.

Teilvorhaben

Ein interdisziplinäres Konsortium aus dem Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF München), der Technischen Universität München (TUM) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) analysiert im Rahmen dieses Projektes Potenziale und Anwendungsszenarien „inverser Transparenz“ in der digitalen Arbeitswelt. Gemeinsam mit der Software AG erprobt der Verbund Pilotlösungen und entwickelt Erfolgsfaktoren für eine breite Anwendbarkeit und Umsetzung des Konzepts.

 

Perspektive Arbeit: ISF München

Was bedeutet die digitale Transparenz für die Arbeitswelt und Beschäftigte?

Das Teilprojekt des ISF München untersucht aus soziologischer Perspektive die „Datafizierung“ moderner Arbeitswelten und fragt nach den Ansatzpunkten für einen beteiligungsorientierten Datenschutz. Zentrale Fragen sind: Welche Daten entstehen in der digitalen Arbeitswelt und wie verändert sich damit die Organisation von Arbeit? Wie erleben die Beschäftigten die neue Qualität von Transparenz? Wie können durch „inverse Transparenz“ die Datenhoheit und das Empowerment der Beschäftigten gestärkt werden?

Das Team „Informatisierung der Gesellschaft und Zukunft der Arbeit“ rund um Prof. Dr. Andreas Boes im Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München erforscht seit mehr als zwei Jahrzehnten den digitalen Umbruch in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Bandbreite der in Verbundprojekten bearbeiteten Themen reicht von der Analyse des Paradigmenwechsels zur Informationsökonomie über die nachhaltige Gestaltung von Wissensarbeit bis hin zum Empowerment in der digitalen Arbeitswelt. Die Projekte zeichnen sich durch die Verknüpfung von Forschung und Gestaltung, die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen aus verschiedensten Branchen und eine sozialpartnerschaftlich orientierte Beteiligung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite aus.

 

Weitere Informationen:

www.isf-muenchen.de
www.idguzda.de

 

Ansprechpartner:

 Prof. Dr. Andreas Boes

 Tobias Kämpf

 Barbara Langes

 Elisabeth Vogl

Perspektive Führung – LMU München

Wie verändert sich durch „Big Data“ Führung & Management?

Das Teilprojekt der LMU München nimmt aus der Perspektive der Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre die Potenziale und Bedingungen inverser Transparenz für neue Managementkonzepte in den Blick. Zentrale Fragen sind: Wie können Daten für moderne Führungs- und Steuerungskonzepte genutzt werden? Welche Chancen bieten Ansätze wie inverse Transparenz Führungskräften in der Praxis? Welche neuen Anforderungen stellen beteiligungsorientierte Ansätze an das Management? Gibt es ein Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Selbstorganisation und wie lässt sich dieses bewältigen?

Das Team des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Ludwig-Maximilians-Universität München beschäftigt sich unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Hess maßgeblich mit dem strategischen Potenzial neuer Informations- und Kommunikationstechnologien und deren unternehmerischer Nutzung, sowohl auf IT-Anwender als auch IT-Anbieter-Seite. Das im Jahr 2001 eingerichtete Institut leistet sowohl Grundlagenforschung als auch angewandte und praxisnahe Forschung in den Themenbereichen „Digitale Transformation von Medienunternehmen“, „Managementkonzepte und digitale Transformation“, „Personal ICT” und “KI-basierte Informationssysteme”

Weitere Informationen:

www.wim.bwl.uni-muenchen.de

 

Ansprechpartner:

 Prof. Dr. Thomas Hess

 Dr. Rahild Neuburger

 Maren Gierlich

Perspektive Informatik – TU München

Wie lässt sich „Inverse Transparenz“ technisch umsetzen?

Das Teilprojekt der TU München beschäftigt sich aus der Perspektive der Informatik mit der Frage, wie sich inverse Transparenz in Unternehmen technisch realisieren lässt. Im Fokus steht die Entwicklung eines lauffähigen IT-Systems, das die Erhebung und Verwendung von Daten seitens der Arbeitgeber fälschungssicher protokolliert und für die Mitarbeiter aggregiert zur Verfügung stellt.

Das Team des Lehrstuhls für Software und Systems Engineering an der TU München unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Pretschner fokussiert sich in seiner Forschung auf die Schnittstelle von Informations- und Funktionssicherheit. Bereits seit 2005 arbeiten sie im Kontext der Forschung zur Informationssicherheit an Konzepten und Systemen zur verteilten Daten-Nutzungskontrolle, die den Fluss von Daten durch verteilte Systeme beobachten und gegebenenfalls modifizieren können. Diese Systeme bilden die technische Basis für die Ermöglichung von Inverser Transparenz.

Weitere Informationen:

www4.in.tum.de

 

Ansprechpartner:

 Prof. Dr. Alexander Pretschner

 Valentin Zieglmeier

Perspektive Praxis – Software AG

Wie lässt sich inverse Transparenz konkret umsetzen?

Das Teilprojekt der Software AG nimmt die Umsetzung inverser Transparenz im betrieblichen Kontext in den Blick. Im Zentrum steht der Aufbau eines Betrieblichen Praxislaboratoriums. Im Sinne eines offenen Experimentierraums soll hier unter wissenschaftlicher Begleitung der Umgang mit inverser Transparenz gemeinsam mit den Beschäftigten in einem sozialpartnerschaftlichen Rahmen erprobt werden. Ziel ist es, innovative Ansätze für einen modernen Datenschutz in der digitalen Arbeitswelt zu entwickeln.

Die Software AG mit Sitz in Darmstadt gehört zu den Weltmarktführern für Softwarelösungen für Unternehmen und verbundene Dienstleistungen. Das Unternehmen unterstützt die digitale Transformation von Unternehmen. Mit der Digital Business Platform der Software AG können Unternehmen mit Kunden interagieren, ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln und neue Marktpotenziale erschließen. Im Bereich Internet der Dinge (IoT) bietet die Software AG ihren Kunden führende Lösungen zur Integration, Vernetzung und zum Management von IoT-Komponenten sowie zur Analyse von Daten und zur Vorhersage von zukünftigen Ereignissen auf Basis künstlicher Intelligenz. Die Software AG beschäftigt über 4.700 Mitarbeiter, ist in 70 Ländern aktiv und erzielte 2018 einen Umsatz von 866 Millionen Euro.

Weitere Informationen:

www.softwareag.com

 

Ansprechpartner:

 Christian Gengenbach

 Klotilda Muca